Schleier & Capes

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Verschiedene Schleierformen       Ein Cape


Oft wird der Schleier aus dem gleichen Material wie der Rock genäht. Für Schleier haben sich die gleichen Materialien bewährt, hauptsächlich Polyester-Georgette und Royal- bzw. Pearl-Chiffon, Glitzer- und Glanz-Chiffon und auch Organza.
Seide ist nicht so gut geeignet, sie knattert in der Luft.

Ich benutze gern knitterfreien Stoff, weil ich zu schlicht und ergreifend bügelfaul bin.
Dazu ein Tipp: Schleier niemals zusammenfalten, sondern einfach fallen lassen und locker zusammenfassen. Durch das Zusammenfalten entstehen Knicke an immer der gleichen Stelle und ich tanze nicht gern mit Schottenkaros á la Tischdecke auf meinen Schleiern.

Verschiedene Schleierformen

Es gibt rechteckige Schleier, jedoch hat sich in den letzten Jahren die abgerundete Form weitgehend durchgesetzt. Die Länge richtet sich nach Körpergrösse, Armlänge und Schleier-Erfahrung. Die Standard-Breite beträgt ca. 1,12 m und eine Länge von 2,50 m passt eigentlich immer recht gut.
Oder man nimmt wie folgt Mass: fasse den Schleier rechts und links, lege den Stoff waagerecht um die Schultern und führe die Arme vorn zusammen. Das jeweils herunterhängende Stück sollte jetzt noch bis zum Ellenbogen reichen.
Bei Stoffen, die nur 90 cm breit liegen bekommen die Schleier etwas andere Eigenschaften, aber sie sind dadurch nicht weniger brauchbar.

Zum Zuschneiden habe ich mir einen Schnitt aus Packpapier gebastelt. Auf das Papier mit einem dicken schwarzen Filzstift den Rand des Schleiers aufzeichnen (nicht ausschneiden!). Dann den dünnen Stoff drauflegen und erst die Kante an der einen Seite geradeziehen, dieses dann an der anderen Kante wiederholen und vielleicht nochmals, bis der Stoff gerade auf dem Schnitt liegt. (Mit einer zweiten Person ist das Ausbreiten des Stoffes wesentlich einfacher!) Dann wird zugeschnitten.
Andersherum, nämlich wenn der Schnitt auf dem Stoff liegt, kriege ich keine gerade Kante hin.
Auf diesem Pack-Papierschnitt habe ich mir auch die Halbkreise für Tellerröcke aufgezeichnet. Man darf dann nur nicht den falschen Hüftkreis erwischen, das ist fatal!

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Ich säume alle Kanten meiner Schleier, dann hab ich auch etwas zum "Greifen" in der Hand. Und auch die Kanten werden fast immer mit Paillettenband verziert, denn dann finde ich beim Tanzen die Kante besser wieder.
Mir ist es noch nicht passiert, dass sich dieses Paillettenband irgendwo am Kostüm oder in den Haaren verfangen hat, vielleicht besteht die Gefahr bei sehr üpigen Haarteilen.
Man kann die Kante auch mit silbernem oder goldenem "Geschenkband" einfassen, das sieht hübsch aus.

Es gibt Schleier, die so leicht sind, dass sie sehr schwer fliegen (z.B. Glitzer- Chiffon von Tabou). Dann empfiehlt es sich, die Kante mit einem Perlenrand schwerer zu machen.
Am einfachsten finde ich es, wenn ich vorher Paillettenband aufgenäht habe. Dann kann ich jeweils in die Mitte der Pailletten einstechen und erreiche so eine gleichmässige Kante. Es geht aber auch gut ohne dieses Paillettenband. Einfach die gewünschte Anzahl Perlen auffädeln und von unten nach oben in jede z.B. dritte Paillette einstechen.

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Ein Zackenrand oder 'Burgzinnen' können toll wirken, wenn sie entsprechend verziert sind und sich das Element am Rock wiederholt.
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Man kann auch mit 2 kleineren viereckigen Schleiern, die an einer Spitze zusammengenäht sind, wunderschöne Sachen machen. Dazu einfach 2 Vierecke zuschneiden (ca. 112 cm breit), säumen und beide an einer Spitze zusammenfassen, vielleicht mit einem kleinen viereckigen festen Stoffstück, welches mit Pailletten verziert werden kann.


Ein Cape

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Ein Cape kann sehr elegant aussehen, weil man sich damit zunächst verhüllt (z.B. für einen Leuchtertanz) und erst später das ganze Kostüm zum Vorschein kommt. Dafür muss der Stoff lang genug sein, um vom Hals bis zum Boden zu reichen (mind. 1,40 Stoffbreite). Es ist ein 3/4 oder ein ganzer Teller, vorne offen, mit einem kleinen Halsausschnitt und wird am Hals geschlossen (Druckknopf, Klettband). Ein glänzender Metall-Chiffon in silber, gold oder in einer Farbe passend zum Kostüm wirkt sehr edel. Dieses Cape kann aus 2 Halbkreisen zugeschnitten werden, siehe die folgende Anleitung für das Zackencape.

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Wir haben einmal ein Zackencape entwickelt, hier kommt die Anleitung:
Das gute Stück besteht aus 2 Halbkreisen, ca. 1,30 m lang und einer Zackenkante, ca. 20 cm lang. Diese Zacken sowie alle anderen Kanten und Nähte werden mit Paillettenband verziert und am Hals gibt es einen breites Bündchen mit Verschluss (Druckknopf). Ich benutze nur noch Holographie-Paillettenband, das glitzert wie Strass und es ist in vielen gängigen Farben vorhanden.
Die Länge des Capes richtet sich nach der Grösse der Frau, die Zackenspitzen dürfen ruhig ein wenig (2 cm) auf dem Fussboden schleifen, zu kurz sieht nicht gut aus. Diese Maße von ca. 1,50 m gelten für eine ca. 1,72 m grosse Frau.

Wir brauchen einen mind. 1,40 m breiten Stoff, und als sehr brauchbar hat sich der Glitzer-Chiffon von Giffels oder Tabou herausgestellt. Diesen muss man nicht versäubern, die Zacken verziehen sich dadurch nicht beim nähen und bekommen durch das Paillettenband eine grössere Stabilität.
Stoffverbrauch ca. 7 m, Paillettenband ca. 30 - 35 m (!!), einen festen Stoff für das Halsbündchen (44 x 9 cm, der Länge nach aufeinandergelegt), ein wenig Pannesamt (ca. 50 x 10 cm) zum beziehen des Halsbündchens, 1 grossen Druckknopf, evtl. Perlen für die vordere offene Kante (damit man sie auch wiederfindet während des Tanzes) und eine geduldige Nähmaschine.

Und los gehts:
Ich breite den Stoff in meinem Wohnzimmer auf dem Fussboden aus und messe zunächst einen Halbkreis von ca. 130 cm aus zuzügl. einem Halsausschnitt von ca. 15 cm. Wenn der Stoff kürzer ist, müssen die Zacken später verlängert werden. Wenn der Stoff länger ist, den Halsausschnitt vergrössern.
Wie man sowas abmisst? Ganz einfach: ich stecke einfach ein Massband wie einen Zirkel mit einer Stecknadel an dem Mittelpunkt in den Teppichboden und stecke in regelmässigen Abständen Stecknadeln in den Stoff. An diesen Nadeln entlang schneide ich dann den Halbkreis aus. Der zweite Halbkreis wird zugeschnitten, dazu einfach den ersten Halbkreis gegengleich auf dem Stoff ausbreiten.

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Jetzt kommen die Zacken dran. Dazu zunächst aus dem Stoff 7 x einen Streifen von ca. 20 - 23 cm Länge ausschneiden. Einfach den ersten abmessen, abschneiden und diesen als Muster für die anderen Streifen benutzen. Jetzt wird der Schnitt der Zacken gebraucht. Dazu habe ich mir aus Zeitungspapier einen Schnitt gebastelt, meine Zacken sind 14 cm tief und 18 cm breit.

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Es ist ein wenig kniffelig, diese Zacken auszuschneiden, es müssen jeweils 3 Streifen aneinandergenäht werden. (Dabei ein wenig auf die Stofflage achten, als kleiner Hinweis gilt für mich immer der Knick in der Mitte des Stoffes.)
Diese 2 x 3 Streifen (den 7-bten kriegen wir später!) werden jetzt an die Halbkreise genäht. Mit ganz viel Glück kommt es genau aus, aber vermutlich nicht. Es wird noch ein kleines Stück vom Halbkreis ohne Zacken übrig bleiben. Jetzt gilt es, zu tricksen: von dem siebten Streifen wird angestückelt und die Zacken müssen ein wenig angepasst werden, dazu vielleicht die letzte Zacke vom Streifen abschneiden und 3 kürzere neue fabrizieren oder 2 längere und vom Halbkreis werden ein paar Zentimeter (nach oben verlaufend) abgeschnitten, so dass eine gerade Kante entsteht. (Hoffentlich war das jetzt verständlich! *smile*).
Jetzt werden die geraden Kanten versäubert, d.h. von der unteren linken Zackenspitze über den Halsausschnitt bis zur unteren rechten Zackenspitze wird ein sehr enger zick-zack-Stich genäht (siehe Säume nähen). Dann werden die beiden Halbkreise hinten auf ca. 10 cm Länge zusammengenäht.
Nun wird aus einem festen Stoff ein ca. 9 cm breiter und ca. 44 cm langer Streifen benötigt (Halsumfang messen). Dieser wird einmal umgeklappt (auf 4,5 cm) und die Ränder werden mit zick-zack-Stich gesäumt. An dieses Halsbündchen wird jetzt das Cape oben festgesteckt. Ich markiere mir dazu die Mitte auf dem Halsbund und stecke dort die Mitte des Capes fest und auch die beiden äusseren Enden fest. Dann geht es los mit Stecknadeln und Augenmass: Falten legen. Der Stoff sollte gleichmässig verteilt sein. Wenn das geschafft ist, wird das Cape mit recht engem zick-zack auf dem Halsbündchen festgesteppt.

Erste Anprobe: mit einer Sicherheitsnadel den Bund zusammenstecken und ab vor den Spiegel! Ist es zu lang? Gut so! Kürzen kann man immer!
Zu kurz? Nur ein bisschen? Dann einfach das Cape am Halsbund ein wenig herunterlassen.
Vieeeel zu kurz?? Schade, dann muss der Bund oben am Hals verlängert werden. Mit etwas Glück sieht man es nicht.

Jetzt kommt das Paillettenband dran. Dieses muss in der richtigen Richtung liegen, dazu das Ende von Dir weg halten, als ob Du es in die Nähmaschine einlegst. Dann mit dem Finger zu Dir hin darüberstreichen. Wenn es sich glatt anfühlt, liegt es richtig. Wenn es sich rauh anfühlt, liegt es falschherum und die Nähmaschine wird vermutlich Schwierigkeiten machen. In diesem Falle das andere Ende des Paillettenbandes als Anfang benutzen.
Die Aussicht, ca. 33 m Paillettenband nähen zu müssen, mag nicht sonderlich verlockend erscheinen, aber es lohnt sich! Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich verschiedene Farben unterschiedlich gut nähen lassen. Rotes oder Lila-farbenes Paillettenband ist sehr schwierig, die Pailletten zerplatzen teilweise durch die Nähnadel. Silbernes läuft derzeit schwieriger, goldenes hingegen läuft wie Butter. Ich nehme eine dünne Nähnadel, die kommt leichter wieder aus den Pailletten heraus, ohne eine nach oben zu ziehen und sie zu verdrehen.
Ich versuche immer, mit einer Hand hinter und mit der anderen Hand vor der Nadel zu sein und dadurch das Paillettenband ein wenig zu steuern und gerade auf dem Stoff zu halten.
Manchmal zieht ein Paillettenband nach links (ja, wie eine defekte Bremse!) und es ist sehr schwierig, die "Spur" zu halten. Besonders an den Spitzen ist es nicht einfach, um die Ecke zu nähen, bis man den Stoff hinter der Nadel wieder mit der Hand greifen und ein wenig Druck ausüben kann.
Ich nähe (als Erholung von den Spitzen!) auch Paillettenband auf die gerade Kante, an der der Zackenstreifen angenäht wurde.

Jetzt erstmal probieren: wie dreht es sich mit diesem guten Stück? Man merkt ganz deutlich das Gewicht der Pailletten, das Cape kriegt ordentlich Schwung bei schnellen Drehungen!
Jetzt wird noch das Halsbündchen mit dem Pannesamt bezogen. Ich mache das mit der Hand, denn der Samt verzieht sich unter der Maschine gern. Dabei versuche ich, auch die Rückseite gut aussehen zu lassen. Als Verschluss dient ein dicker Druckknopf, der ist stabil genug um nicht einfach aufzugehen und man kann ihn unauffällig irgendwann während des Tanzes lösen, um das Cape abzulegen.
Dann nähe ich noch Paillettenband an den äusseren Rand des Halsbündchens. Diese Stelle fasst man oft mit verschwitzten Händen an und dadurch verlieren die Pailletten ihren Glanz und werden durchsichtig, matt und unsichtbar. Daher bin ich dazu übergegangen, diese Stelle mit losen Pailletten (mit einer Perle als Halterung) zu besticken, dann ist ein Austausch etwas einfacher.
Als weiteres "Schmankerl" habe ich noch die vordere geraden Kanten mit Perlen verziert, damit ich diese Kante während des Tanzes auch wiederfinde. Darüberhinaus bekommt die Kante auch viel mehr Schwung durch das Gewicht der Perlen.

Viel Spass!

Nadya22


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